Der Commitments of Traders Report — kurz COT — ist eine wöchentliche Veröffentlichung der US-Aufsichtsbehörde CFTC. Er zeigt, wie verschiedene Gruppen von Marktteilnehmern in den Future-Märkten positioniert sind: Indizes, Währungen, Rohstoffe, Anleihen. Es ist eine der wenigen Stellen, an denen du legal und kostenlos einen Blick auf die Positionierung der größten Adressen werfen kannst.
Wichtig vorweg: Der COT ist kein Timing-Werkzeug. Er sagt dir nicht, wann du kaufen sollst. Er sagt dir, wer auf welcher Seite steht — und das ist ein Bias-Werkzeug, kein Einstiegs-Werkzeug. Wer das verwechselt, wird enttäuscht.
§2 Die drei Gruppen, die du kennen musst
- Commercials (Hedger): Produzenten und Verbraucher, die sich absichern. Sie gelten als das "Smart Money" — sie kennen ihren Markt physisch. An Extremen stehen sie oft konträr zur Masse.
- Large Speculators (Non-Commercials): Fonds und große Spekulanten. Sie reiten Trends — und sind an Wendepunkten oft am stärksten falsch positioniert, weil sie spät maximal long oder short sind.
- Small Speculators (Retail): Die kleinen Konten. Statistisch die Gruppe, gegen die man an Extremen am ehesten stehen will.
§4 Worauf du tatsächlich schaust
Die absolute Zahl der Kontrakte ist fast bedeutungslos. Was zählt, ist die Netto-Positionierung im Verhältnis zur eigenen Historie. Stehen die Commercials so net-short wie seit zwei Jahren nicht mehr? Das ist ein Signal. Sind die Large Specs maximal long, während die Commercials dagegenhalten? Das ist eine Warnung, dass der Trend reif sein könnte.
Du suchst Extreme und Divergenzen, nicht den Normalzustand. Die meisten Wochen sagt der COT nichts Spannendes. Genau deshalb ist er ein Wochen-Werkzeug: Du checkst ihn einmal, ordnest ein, und gehst mit einem Bias in die Woche — nicht mit einem Einstieg.
Damit ich das nicht jede Woche von Hand zusammensuchen muss, bündele ich die relevante COT-Positionierung im /cot-daten-Tool auf der Seite — Netto-Positionen, Veränderung zur Vorwoche, historische Extreme auf einen Blick. Das ist die Abkürzung von Rohdaten zu Bias.
Der COT sagt dir nicht, wann. Er sagt dir, wer. Wer das verwechselt, sucht im Bias-Werkzeug nach einem Einstieg, den es dort nie gab.
§9 Wie der COT in den Wochen-Bias passt
Allein ist der COT zu langsam. Stark wird er in Kombination: COT-Positionierung für die Richtung, Fed-Liquidität für den makro-strukturellen Rückenwind, und Cross-Market (DXY, Yields) zur Bestätigung. Diese drei Datenpunkte zusammen geben dir den Großteil deines Wochen-Bias — den Rest macht die Bestätigung im niedrigeren Zeitfenster während der Woche.
Wenn du diese Routine als festen 30-Minuten-Block am Sonntag etablierst, gehst du nie wieder blind in eine Handelswoche. Du tradest nicht gegen den Wind, ohne es zu wissen — und das allein filtert einen großen Teil der vermeidbaren Verluste heraus.

Geschrieben von
Cem Köppling
Gründer von Trading Fusion. 10+ Jahre institutionelles Trading. Schreibt über Mechanik, Sovereignty und die Architektur finanzieller Souveränität.
